Inspiration – wo ist sie zu finden?


Egal ob ich eine Lesung in einer Schule halte oder im Privaten erzähle, dass ich Bücher schreibe, diese Frage taucht immer auf. Bei mir gibt es quasi zwei «Kanäle», über die ich zu Ideen komme.

Der erste Kanal, ist der Geistesblitz. Er trifft mich immer unerwartet. Beim Spazierengehen, beim Arbeiten, beim Putzen, beim Zug fahren usw. Elisabeth Gilbert (Eat, Pray, Love) nennt es in ihrem Buch «Big Magic» den Genius, quasi eine Art Geist, der Menschen zu Ideen inspiriert. Das lasse ich mal einfach so im Raum stehen.

Dann gibt es noch einen zweiten Kanal. Das Leben.

Meine ersten Schritte im Selfpublishing oder Wie ich ordentlich Kohle verprasste. 

Im Jahr 2010 wurde ich auf die Möglichkeit des Selfpublishings aufmerksam. Vom ersten Augenblick an war ich fasziniert und motiviert, meinen Roman – für den ich keinen Verlag gefunden hatte – selbst herauszubringen.

Ich fand sehr schnell eine Grafikerin, jemanden fürs Korrektorat und eine Druckerei. Und träumte bereits vom grossen Durchbruch, hatte ich doch bereits kleine Erfolge mit meinem Debüt-Roman (2002) «Der Kuss der Nacht» feiern können. Zahlreiche Lesungen an Schulen und über 1'000 verkaufte Exemplare – was für eine Schweizer Autorin ganz gut ist.

Als die Bücher bei mir angeliefert wurden, war ich sehr glücklich. Mein zweiter Roman «Zwischen Licht und Dunkelheit – Die Entscheidung» von mir selber verlegt in meinem gegründeten Verlag «Tempus Logus». Ich war sehr stolz.

Das Cover war aussergewöhnlich in seiner Art und ich erhoffte mir dadurch, etwas Aufmerksamkeit zu bekommen. Aber ich muss ehrlich sagen: Als ich es das erste Mal sah, hat mein Bauchgefühl eigentlich schon gesagt, dass es nicht funktionieren würde, aber ich habe es überhört! Zum einen, weil ich einfach nicht den Mut hatte zu sagen: «Nein, ich hatte mir das eigentlich anders vorgestellt.» Zum anderen, weil mir mein Kopf sagte: «Ach, lass es doch, das ist mal etwas ganz anderes. Das fällt auf.»


Doch das Cover sollte nicht das einzige Problem sein. Bei einer lancierten Leserunde im Internet stellte sich schnell heraus, dass die Leserinnen und Leser aus Deutschland und Österreich nicht damit klarkamen, dass ich mich gegen ein «ß» entschieden hatte. Auch die Art und Weise, wie das Buch gesetzt war, wurde kritisiert und nicht zuletzt auch der Inhalt. Dass ich auch lobende Worte für den Roman bekam, hatte am Ende gar kein Gewicht mehr.

Ich war erschüttert und enttäuscht, hatte ich doch jahrelang an der Geschichte geschrieben und korrigiert und dann auch noch fast mein ganzes Erspartes aufgebraucht für die Veröffentlichung des Romans.

Nachdem ich mich eine Weile bemitleidet hatte, entschied ich, dass ich immer noch an die Geschichte glaubte und nicht bereit war, so leicht aufzugeben. So kratzte ich mein letztes Geld zusammen und produzierte mithilfe meines Vaters und meines Cousins einen ziemlich coolen Buchtrailer und änderte das Cover und das Layout. Und ich liess eine Lektorin/Korrektorin aus Deutschland die Fehler im Text ausmerzen.


Rund 900 Bücher (mit dem alten Cover) warf ich frustgeladen in den Abfall. Ja, genau, in den Abfall. Es war ein Akt der Wut und nicht des Verstandes.

Um keine Druckkosten mehr zu haben, veröffentlichte ich den Roman bei Amazon. Das neue Cover half etwas. Ich konnte ein paar E-Books verkaufen, aber die Kosten für die Entstehung nie einspielen. Ob ich geheult habe? Ja. Ob ich ans Aufgeben gedacht habe? Ich denke, ja, ich bin mir aber nicht mehr ganz sicher. Ich weiss einfach, ich habe weitergemacht und weiter jeden Franken meines Geldes in weitere Bücher gesteckt. Wie eine Besessene.

Ich habe sehr viel gelernt mit diesem ersten Buch und auch mit jenen, die danach folgten. Ganz nach dem Prinzip Try & Error. Jedes Mal wurde ich um eine Erfahrung klüger.

Inzwischen habe ich ein tolles Team um mich geschart, das hervorragende Arbeit leistet und das ich euch sehr empfehlen kann, falls ihr einmal Unterstützung braucht.


Wolma Krefting, bueropia.de

Sabine Dreyer, tat-worte.de

Sandra Schmidt, lektorat-text-theke.de

Juliane Schneeweiss, juliane-schneeweiss.com

Jeannette Zeuner, bookdesigns.de

René Brandes, renebrandes.de

Corinna Rindlisbacher, ebokks.de


Jetzt fragt ihr euch sicherlich, wie es bei mir inzwischen aussieht. Ich habe in 18 Jahren über 20'000 Bücher verkauft. Es reicht, um zu den erfolgreichsten Selfpublishern der Schweiz zu gehören, und es reicht aus, um erstmals in einer Bestseller-Liste zu landen. Es reicht aber nicht aus, um davon zu leben oder gar die Kosten zu decken. Bis jetzt habe ich einfach ein sehr teures Hobby, das mir sehr viel Spass bereitet und mich immer wieder bedrohlich nah an einen Kontostand von 0 Franken bringt. Aber ich lebe meinen Traum und ich werde es nie bedauern müssen, es nicht versucht zu haben :-).

 

Wie fange ich an, ein Buch zu schreiben? oder
«Ach, ich würde so gern, aber mir fehlt die Zeit dafür.»

Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie oft ich diesen Satz schon gehört habe: «Ach, ich würde ja auch so gerne schreiben, aber ich hab ja gaaar keine Zeit.»

Also mein/e Liebe/Lieber, Hand aufs Herz, willst du wirklich einen Roman schreiben? Aus deinem tiefsten Inneren oder ist einfach nur die Vorstellung sexy? Wenn Ersteres auf dich zutrifft, dann – um Himmels willen – fang einfach an! Auf was willst du warten?! Auf den perfekten Zeitpunkt? Dann viel Glück damit. Ausserdem, wenn es ein inneres Bedürfnis von dir ist und du es immer wieder wegschiebst zugunsten anderer Dinge, die dir möglicherweise gar nicht so wichtig sind, dann wird dir das über kurz oder lang auf die Gesundheit schlagen. Denn ein Mensch, der nicht lebt, was ihn glücklich macht, wird krank oder/und übellaunig.

John Strelecky schreibt in seinem Ratgeber «Das Café am Rande der Welt» (kann ich übrigens wärmstens empfehlen), mindestens 30 Minuten am Tag etwas zu tun, das du liebst! Mindestens! (Okay, diese Nachbemerkung kommt von mir, nicht von ihm.) Aber der Mann hat recht. Viel zu oft verschwenden wir Lebenszeit mit irgendwelchen Dingen, die uns zuwider sind, oder mit Fernsehen gucken. Manche Unannehmlichkeiten müssen wir bewältigen, andere können wir umgehen, aber so oder so ist es wichtig, 30 magische Minuten im Leben zu haben, die dich glücklich machen. Und frag dich bitte in dieser Zeit nicht, ob diese Tätigkeit dich weiterbringt im Leben oder nicht. Ob es Geld bringt, ob es dich klüger macht – das spielt alles keine Rolle. Hauptsache, du hast Freude daran.


Übrigens aufschieben bis zur Pensionierung würde ich mir auch gleich aus dem Kopf schlagen. Du weisst nicht, wie alt du wirst. Vielleicht fällst du morgen schon tot um. Alles schon erlebt. Der Arbeitskollege einer Kollegin hat seine Herzens-Reise bis zu seinem Ruhestand aufgeschoben und was ist passiert? Kaum war er pensioniert, bekam er die Diagnose Bauchspeicheldrüsenkrebs. Ich muss ja nicht sagen, dass sein Urlaub jetzt nicht auf einem Schiff, sondern in einer Urne stattfindet. 


Also bitte schieb deine Pläne nicht bis zur Pensionierung hinaus!


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